Seldschukentauben

Eine neue erfolgreiche Rasse am deutschen Züchterhimmel

 

Herkunft/Entwicklung
Nach mündlichen Überlieferungen soll diese alte türkische Taubenrasse im Jahr 1071 mit der Eroberung Anatoliens
durch die Seldschuken nach Konya gekommen sein. Die Stadt Konya war ab 1075 die Residenzstadt der Seldschukenherrscher und gilt als Ursprungsort der Rasse.

Türkei

 

Folgt man den mündlichen Überlieferungen, schriftliche Aufzeichnungen über den Rasseursprung gibt es leider nicht, dann wäre diese Rasse mindestens 900 Jahre alt. Falls man sie schon zu dieser Zeit als "Rasse" einstufen konnte, könnte ihre Entstehung jedoch noch sehr viel weiter zurückliegen. Die Haltung der Seldschukentauben soll zu jener Zeit ein Privileg der Seldschukenfürsten gewesen sein. Verletzungen dieses Haltungsrechts wurden angeblich sogar mit der Todesstrafe geahndet. Allerdings gibt es dafür aus der Herrschaftszeit der Seldschukendynastien keine Beweise.

Nach dem Ende der Seldschukenherrschaft im 14. Jahrhundert ging vermutlich das Haltungsprivileg für sehr lange Zeit auf nur wenige Familien in Konya über, wie sich indirekt aus spärlichen Aufzeichnungen in den staatlichen Archiven über Geschenke an Sultane in Konstantinopel (heute Istanbul) schließen lässt. Seldschukentauben galten als fürstliche Geschenke, waren also sehr "wertvoll" und damit nicht für jedermann erhaltbar. Das erklärt vielleicht auch die über alle Zeiten geringe Zahl der Züchter im Herkunftsland. Heute hat die Zahl der Züchter in der Türkei so abgenommen, dass dort der Bestand dieser anmutigen Rasse gefährdet sein dürfte.

Nach Deutschland wurde der eisfarbige Farbenschlag dieser Rasse 1982 von dem in der Züchterwelt bekannten Christian Reichenbach eingeführt und im selben Jahr erstmalig als Paar bei der 31. VDT-Schau in Nürnberg präsentiert, leider ohne merkliche Resonanz in der hiesigen Züchterwelt. Erst Anfang der 90er Jahre des vorigen Jahrhunderts wuchs das Interesse an dieser Rasse. Es kam zu erneuten Einfuhren einzelner Tiere aus der Türkei zu hohen Preisen. Allerdings war die Reproduktionsrate dieser "Orginal"-tiere, vermutlich infolge Akklimatisationsprobleme, anfangs sehr mangelhaft. Dieses Handikap dürfte inzwischen in den hiesigen Zuchten überwunden sein. Josef Ebner aus Julbach erreichte 2005 die Anerkennung des eisfarbige Farbenschlages in Deutschland. Im Anerkennungsjahr gründeten in Wutha-Farnrode bei Eisenach 17 Taubenfreunde den Taubenzuchtsonderverein "Seldschuken-Club Deutschland", mit dem Ziel, vor allem die historischen Farbenschläge dieser vom Untergang bedrohten Rasse zu erhalten und zu fördern.

Seither sind die Seldschukentauben, eisfarbig ohne Binden, sehr erfolgreich auf vielen großen Ausstellungen in Deutschland mit ansehnlichen Kollektionen vertreten. Hierzulande dürfte der Bestand dieses Farbenschlages bei nunmehr ca. 30 Zuchten als gesichert gelten. Das lässt sich auch an der überaus erfolgreichen Teilnahme dieser Spezies an den deutschen Bundesschauen ablesen. So stellten sich in der 58. Deutschen Rassetaubenschau (VDT-Schau) in Leipzig 99 Seldschuken, davon allein 77 im eisfarbigen Farbenschlag, dem Urteil des Preisrichters. Im vorgenannten SV organisierte Züchter konnten im Jahr 2008 schließlich auch die Anerkennung der noch sehr seltenen schwarzen Farbenschläge und im nächsten Jahr die der hierzulande noch selteneren weißen Seldschuken erreichen. Damit sind nunmehr die vier historischen Farbenschläge für alle Ausstellungen in Deutschland zugelassen. Nun gilt es, für die seltenen Farbenschläge interessierte Züchter zu gewinnen und damit deren Bestand zu sichern.

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Seldschuken aus hiesigen Zuchten sind zuverlässige Eltern.
Zucht: E.Hammerschmid / R. Fenzl, Steinberg

Besondere Rasseattribute
Prägend für diese einzigartige Rasse ist vor allem die eindrucksvolle Schwanzform und Schwanzhaltung. Der sehr federreiche Schwanz bildet einen giebelartigen Fächer. Deshalb wurden die Seldschuken in Deutschland der Gruppe Strukturtauben zugeordnet, werden dagegen aber im Ausland, vor allem im englischsprachigen Raum, oft als "Seldschukentümmler" geführt. Die Musterbeschreibung für die anerkannten Farbenschläge ist im "Deutschen Rassetauben-Standard in Farbe" zu finden.
Nach türkischer Auffassung sollen die Seldschuken kleinere Tauben sein. Deshalb werden sie in unserem Standard in knapper Mittelgröße verlangt. Ein relativ kurzer und substanzvoller heller Schnabel (dunkler Schnabelstipp erlaubt), perlfarbige Augen und leicht würfelförmiger Kopf mit gut ansteigender Stirn verleihen dieser einzigartigen Rasse eine einnehmende Anmut. Verbunden mit der fast waagerechten Haltung, dem tiefen Stand, den kurz befiederten Läufen sowie dem gut gefächerten Schwanz haben sie schon seit Jahrhunderten die Liebhaber in der Türkei begeistert und jetzt auch in Deutschland zahlreiche Freunde gefunden.

Neben den inzwischen in Deutschland anerkannten Farbenschlägen gibt es im Herkunftsland noch eine eisfarbig geelsterte Variante. Die einfarbig weißen Seldschuken und vorgenannten Weißschwänze werden im Herkunftsland übrigens auch häufig mit Haube gezüchtet und gelten dort als besonders "wertvoll".

Um Züchtern zur Beurteilung einer Seldschukentauben eine Hilfe anzubieten, wird von unserem Club allen Interessierten ein Kommentar zum Standard (Musterbeschreibung) als „Loseblattsammlung“ (Fortschreibung durch Ergänzungsblätter!) angeboten, in dem die Rasseattribute, stets zuchtstandsbezogen aktualisiert, ausführlich erläutert werden. Darüber hinaus enthält das Jahresheft unseres Clubs auf achtundzwanzig DIN-A5 Seiten nicht nur viel Wissenswertes über die Rasse, sondern auch anschauliche Schilderungen des Vereinslebens.

Beide Hefte, eventuell auch ältere Jahreshefte, können beim Kassierer/ Kassenwart des Clubs (Kontakt siehe Vorstand im Link "Clubinfo") zu den Herstellungskosten von 1,50 € für den Kommentar und 3,00 € für Jahreshefte bezogen werden.


Kommentar

Kommentar - Download

 

Hier ein Überblick über die zur Zeit anerkannten Farbschläge:

> eisfarbig

> schwarz

> weiß

> schwarz mit weißem Fächer

 

k1

         

 

 

 

k3 Taube

                             

 

Taube
 

 

Kontakte
Wie bereits erwähnt, hat es sich der "Seldschuken-Club Deutschland" zur Aufgabe gemacht, die historischen Farbenschläge dieser einzigartigen Rasse zu erhalten und zu fördern. Wir freuen uns über jeden, der daran mitwirken möchte. Leider war es trotz aller Bemühungen bisher nicht möglich, nachhaltige Kontakte zu Seldschukenzüchtern im Herkunftsland zu knüpfen. Deshalb sind uns alle türkischen sowie türkisch-stämmigen Taubenfreunde, die sich für ihre Heimatrasse interessieren und mit uns dieses alte türkische Kulturgut erhalten wollen, besonders willkommen. Sollten deutsche Taubenfreunde und solche mit türkischen Wurzeln Kontakte zu Züchtern dieser Rasse suchen, können sie sich jederzeit an die folgenden Adressen wenden:

"Seldschuken-Club Deutschland"

Ahlendorfer Str. 30
07613 Heideland

Telefon: 036691-51681
Email: steffen.gruber@mail.de

SV-Zuchtwart

Josef Ebner
84387 Julbach
Telefon: 08571-3333
E-Mail: ebner1950@yahoo.de